Bildung für Mädchen und Bevölkerungswachstum

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Investieren wir in Bildung, insbesondere in die Bildung von Mädchen in einem Land wie Burkina Faso, so hat das viele Vorteile. Wir fördern damit nicht nur die persönliche Entwicklung der an unseren Programmen teilnehmenden Mädchen. Tatsächlich wirkt sich Bildung viel weitgreifender aus und bietet einer Nation weitreichende Vorteile über viele Sektoren und Generationen hinweg.

Mädchen, die von der TuaRes Stiftung unterstützt werden, sehen oft einer Zukunft ohne Chancen entgegen. Von diesen jungen Frauen wird vor allem erwartet, dass sie Mütter werden und den Haushalt führen. Diese Erwartung hat sich seit Generationen und Jahrhunderten nicht geändert. Mutterschaft ist zumeist die einzige Option für Frauen, nicht komplett zu verarmen. Junge Mädchen werden ermutigt, die Schule frühzeitig zu verlassen, um sich um Geschwister und/oder den Haushalt zu kümmern. Sie entwickeln sich zu Frauen, die keine Bildung erhalten haben und somit keine Qualifikation für ertragsbringende Berufe haben. Die Konsequenz: Das Mutter-Dasein und Arbeit im informellen Sektor sind ihre einzige Wahl.

Während sich von 1960 bis 2016 die weltweite Geburtenrate aufgrund politischer, sozialer und wirtschaftlicher Umstände von 4,98 auf 2,44 Kinder pro Frau halbierte, ist die Geburtenzahl in Afrika auch heute noch immens.1 Südlich der Sahara, vor allem in der Sahelzone, ist die Geburtenrate, auch wenn sie im Vergleich zu den 1960er Jahren rückläufig ist, beinahe doppelt so hoch wie im weltweiten Durchschnitt.2 Viele afrikanische Länder weisen auch eine der höchsten durchschnittlichen jährlichen Wachstumsraten auf.3

Im Jahr 2016 betrug die Geburtenrate in den zehn Ländern der Sahelzone, wie durch das Population Reference Bureau (PRB) definiert, 5,3 Kinder pro Frau. In Burkina Faso liegt die Geburtenrate bei 5,4 Kindern pro Frau.4 Besonders extrem ist die Lage in Niger, einem extrem armen Nachbarland Burkina Fasos: hier liegt die durchschnittliche Geburtenrate bei 7,5 Kindern pro Frau.5 Im Übrigen liegt die Alphabetisierung von Frauen in Niger bei 22,55 %.6 In Burkina Faso liegt die Alphabetisierungsrate bei 26,22 %.7 Bei einer Befragung zur Wunschanzahl an Kindern gaben Männer häufig eine deutlich höhere Anzahl an als Frauen. Eine Umfrage des Ministeriums für Wirtschaft und Finanzen in Burkina Faso ergab im Jahr 2010, dass Männer, die bereits sechs oder mehr Kinder hatten, sich 10,8 Kinder pro Frau wünschten.8 In Ländern mit Polygamie kann die Anzahl der Kinder in einer „Familie“ so leicht zweistellige Zahlen erreichen. Die Bereitstellung von Nahrungsmitteln und anderen Grundbedürfnissen wird bei einer so großen Familie ein Problem. Bildung wird schnell zu einem Luxus, den nur wenige erhalten. Hier beginnt der Teufelskreis: Mehr Mädchen, die ihre einzige Perspektive darin sehen, im Teenageralter zu heiraten und zu früh zu viele Kinder zu gebähren.

Laut der Bevölkerungsprognose der Vereinten Nationen wird sich die Bevölkerung in ganz Afrika bis zum Jahr 2050 von 1,25 auf 2,5 Milliarden verdoppeln.9 Gegenwärtig ist Afrika südlich der Sahara mit 60% der Bevölkerung unter 25 Jahren die jüngste Region der Welt. Obwohl ein generelles Wirtschaftswachstum zu erkennen ist, gibt es im formellen Arbeitssektor Burkina Fasos deutlich zu wenige Arbeitsplätze.10 Politische und wirtschaftliche Instabilität sind die Folge. Auslandsinvestitionen bleiben aus und der Tourismus entwickelt sich so wenig wie andere Sektoren. Das Ergebnis: Knapp acht von zehn Beschäftigten in Afrika südlich der Sahara sind im informellen Arbeitssektor beschäftigt. Tagelohn-Arbeit im Bausektor, Straßenhandel, Kleinstküchen und Nahrungsmittelverkauf sowie elementares Handwerk sind Aktivitäten, die den Beschäftigten nur ein prekäres Auskommen ohne soziale Sicherheit ermöglichen. Die Betriebe operieren ebenso am Existenzminimum, erzielen keine Gewinne und haben keine Chance durch Investitionen zu wachsen. Gerade Frauen sind besonders auf den informellen Sektor als Überlebenschance angewiesen, da ihnen der Mangel an Bildung den Zugang zum formellen Sektor verwehrt. Hier stehen wir wieder vor dem Problem der akuten Armut.11

Dabei ist die Lösung naheliegend: Viele Studien zeigen, dass eine ausgebildete junge Frau weniger Kinder zur Welt bringt.12 Mädchenbildung ist daher eine strategische Größe, um das Bevölkerungswachstum in Afrika einzudämmen. Eine Frau mit Bildung hat ein höheres Verdienstpotenzial, das ihrer Familie zugutekommt.13 Mädchen mit einem höheren Bildungsstand heiraten später und gebären ihr erstes Kind in einem höheren Alter. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen würden fast 60% weniger Mädchen in Afrika südlich der Sahara und in Westasien vor dem Alter von 17 Jahren Kinder zur Welt bringen, wenn alle Mädchen eine Sekundarschulbildung hätten.14 Eine Frau mit höherem Erwerbspotenzial, die weniger Kinder hat, hat mehr Möglichkeiten, die Bildung ihrer eigenen Kinder zu fördern. Jetzt in die Bildung von Mädchen zu investieren, gibt den Mädchen, ihren Familien und einem ganzen Land Rückenwind. Rückenwind für die notwendigen gesellschaftlichen Veränderungen, die langfristig die Zukunft eines Landes wie Burkina Faso sichern werden.

Zuletzt aktualisiert im März 2019

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